• Peter Dorfmayr

Das Wiener Horn

In dieser Serie erfahren Sie interessante Details rund um das Wiener Horn. Ich versuche Ihnen die Faszination dieses Instruments näher zu bringen und hoffe, dass ich Sie dafür begeistern kann.


Lediglich ein kleiner Kreis an Musikern ist spielerisch am Wiener Horn beheimatet. Es kommt im Gegensatz zum weltweit gebräuchlichen Doppelhorn fast ausschließlich in den Wiener Orchestern zum Einsatz und ist somit eine nicht unwesentliche Komponente des typischen Wiener Musizierstils. Das heute verwendete Instrument ist exakt das gleiche Instrument, das vor rund 100 Jahren auch zur Zeit Gustav Mahlers gespielt wurde. Es ist in seiner heutigen Form im Wesentlichen ein Naturhorn der Wiener Klassik mit eingefügten Ventilen. Auch der abnehmbare F-Bogen (siehe Bild) mit einer Länge von etwa 110 cm ist ein Relikt aus dieser Zeit. Die Möglichkeit, den F-Bogen abzunehmen bietet die Gelegenheit unterschiedliche persönliche Vorlieben zu bedienen. So kann etwa Material in unterschiedlicher Dicke mit dem Instrument kombiniert werden, was sich auf den Energieaufwand beim Spielen sowie den Klang auswirkt.



Ein wichtiges bauliches Merkmal, das den klanglichen und technischen Charakter des Wiener Horns prägt, ist die enge Mensur, also der Innendurchmesser des Rohres. Sie ist in erster Linie für den warmen Klang im piano und für das charakteristische Schmettern im fortissimo verantwortlich. Diese Änderung der Klangfarbe in Abhängigkeit von der gespielten Dynamik wird als Spektraldynamik bezeichnet.

Mag. Gregor Widholm vom Wiener Klanginstitut dazu:

„Bei einem Crescendo bis zum fortissimo steigen die hohen Teiltöne im Klang der Wiener Hörner wesentlich stärker an als bei Doppelhörnern. Das Wiener Horn klingt demnach im Fortissimo „heller und schärfer“. Wenn in Musikerkreisen vom weichen und dunklen Klang des Wiener Horns gesprochen wird, dann trifft das nur für piano-Töne zu.“

(c) 2016 Gregor Widholm


Interessanterweise ist die objektive Lautstärke des Wiener Horns bei gleichem Energieaufwand geringer als die des Doppelhorns, welches im Regelfall etwas weiter mensuriert ist. Dank seines einzigartigen Timbres ist das Wiener Horn jedoch selbst im lautesten fortissimo des Orchesters für den Zuhörer noch wahrnehmbar.

Obwohl der Musiker am Wiener Horn in Punkto Virtuosität das Nachsehen gegenüber Doppelhornisten hat, gibt es heutzutage aufgrund baulicher Weiterentwicklungen keine Ausreden mehr, technisch anspruchsvolle Passagen nicht gut zu meistern.

Mögliche technische Nachteile gehen mit einer Vielfalt an Ausdrucksmöglichkeiten einher. Kombiniert mit wienerischer, charmanter Spielweise macht für mich genau das den ganz besonderer Reiz des Wiener Horns aus.


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© 2018 Peter Dorfmayr (Impressum)

Fotos: Klaus Leherbauer & Stefan Promegger

Organisation & Beratung: Stefan Obmann