• Peter Dorfmayr

Mentale Stärke - Roman Rindberger

Aktualisiert: Jan 25

Lieber Roman, du bist ein Trompeter mit überaus vielfältiger Erfahrung. Du warst im Orchester engagiert, unterrichtest seit 2012 an der MUK und bist Mitglied bei Mnozil Brass . Dein Weg zu diesem Erfolg war aber keineswegs einfach, sondern hat dich auf Umwegen dort hingeführt, wo du jetzt stehst. 



Was bedeutet für dich „Mentale Stärke“?

Mentale Stärke ist für mich ein bewusster Umgang mit Emotionen. Das bedeutet, Entscheidungen grundsätzlich mit innerer Balance zu treffen. Auf der Bühne geschieht das bewusst, anstatt alten, angeborenen und instinktiven Verhaltensmustern (z.B. Angst oder Panik) die Führung überlassen zu müssen. Diese schränken uns in der Auftrittssituation in jeder Hinsicht massiv ein. Eine solche Entscheidungskraft bedeutet meiner Meinung nach mentale Stärke und ist der Schlüssel zum Erfolg.  



Wie erlangst du diese Entscheidungskraft?

Um entscheidungsfähig zu bleiben und Kontrolle über meine Urinstinkte haben zu können, muss ich mich selber sehr gut kennen. Ich muss wissen, wie mein Körper in gewissen Situationen reagiert und wie ich meinen Geist lenken kann. 

Für mich persönlich war die sog. Wim Hof - Methode dabei sehr hilfreich. Sie hat mir Dinge gezeigt, von denen ich nie geglaubt habe sie zu können. Sie war eine Art Türöffner für ein besseres Verständnis meines Ichs.  Bei dieser Methode geht es unter Anderem um das Erkennen und Benennen von Ängsten, das Entdecken ihrer Ursprünge und einen geeigneten Umgang mit ihnen zu finden. Angst ist keine "Strafe des Himmels". Angst ist ein natürliches und wichtiges Verhaltensmuster, das aber in unserem musikalischen Zusammenhang nichts verloren hat. Wenn ich mir hinsichtlich eines Konzerts zwei Monate lang im Voraus Angst aufbaue, dann ist sie definitiv fehl am Platz und nichts anderes als ein Stressmuster. Von außen betrachtet - hier spricht man vom Theaterblick - ist diese Angst im Moment der Aufführung für den Zuseher oft nicht nachvollziehbar. Für den Musiker ist sie in diesem Moment aber sehr präsent. Wir sind in der Lage, unsere Angst- und Panikreaktionen zu beeinflussen. Ich habe über die Wim Hof Methode gelernt, wie ich einerseits über Atemarbeit und andererseits über das Kältetraining diese Reaktionen besser verstehen und dadurch verändern kann. Wenn ich zum Beispiel in 2 Grad kaltes Wasser steige, reagiert mein Körper mit Todesangst. Der Körper weiß nicht, dass ich diese Situation jederzeit wieder verlassen kann und reagiert mit enormem Stress. Um diesem Stress standzuhalten, muss man lernen, den Geist zu beruhigen.


Expedition 2017 mit Wim Hof. Roman Rindberger beim Aufstieg auf die Snieska (Schneekoppe) in Badehose bei gefühlten minus 34 Grad.

Wie? 

Mit der Atmung. Sie ist ein mächtiges Werkzeug, das man sehr bewusst einsetzten kann und muss. Die Atmung ist direkt an unseren Herzschlag gekoppelt. Haben wir Stress, reagiert unser Herz sofort mit erhöhtem Puls. Aber nicht nur unser Herz, sondern auch unsere Atmung ändert sofort ihren Rhythmus. Auf unser Herz können wir nicht bewußt einwirken, auf unsere Atmung aber schon. Und da die Atmung an den Herzschschlag gekoppelt ist, können wir über die Atmung dIe Herzfrequenz beeinflussen, und zwar in einem weit höherem Maße, als es uns vielleicht bewußt ist.Damit die Atmung ein wirkungsvolles stressreduzierendes Werkzeug werden kann, braucht es natürlich Zeit und Arbeit. Wenn man zum Beispiel versucht, jeden Tag in jenen der stressmachenden, der Auftrittssituation auf der Bühne vergleichbaren  Momenten die körpereigenen Muster neu zu programmieren, wird es immer leichter,  auch in heiklen Situation auf der Bühne einen „kühlen Kopf“ zu behalten!


Als ausgebildeter Wim Hof Instructor gibst du Kurse und arbeitest natürlich besonders intensiv mit dieser Methode. Gibt es noch weitere Atemtechniken, die für Musiker relevant sein können?


Ich finde „Advanced Oxygen“ sehr interessant. Gerade für Musiker im Allgemeinen und Bläser im Speziellen. Hier wird der Zustand der permanenten Überatmung ins Visier genommen.Diese Methode ist zwar vordergründig in der Praxis das genaue Gegenteil der Atemarbeit von Wim Hof. Im Endeffekt aber erreicht man durch beide Methoden den selben Effekt. Nämlich Stressreduktion. Im Grunde geht es immer um die CO2 Toleranz im Körper, die durch diese unterschiedlichen Methoden in die selbe Richtung verändert wird.


Link zu einem Wim-Hof Workshop mit Roman:

https://www.wimhofmethod.com/instructors/romanrindberger?fbclid=IwAR0rK4thPTfDeCWC3BUDODdzQTNf3lxtVhBbmz9Ih7AIB0yI1JaKKQYZ4Cg


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