• Peter Dorfmayr

Beethovens Dynamik

Aktualisiert: 1. Juni 2019

Herr Honeck, wie gehen Sie mit Dynamik - Bezeichnungen bei Beethoven um? Was bedeutet „fp“ und „sfz“ und wie sollten sie Ihrer Meinung nach musikalisch umgesetzt werden?


Diese Frage wäre einfach zu beantworten, wenn man „forte“ mit laut übersetzt und „piano“ mit leise. Die Begriffe sind aber vielschichtiger. Der Italiener sagt „forte“ nicht nur, wenn er etwas lauter haben will, sondern auch wenn er stark, kräftig, tüchtig (beim Essen, z.b. zum Kind: „du hast tüchtig gegessen“), fest oder scharf (sapore, odore) meint und „piano“, wenn er es langsam, weich, bedächtig haben will. Im Französischen heißt piano ja doucement. (= auch „sanft“ oder „behutsam“)

Wenn Beethoven nun fp vorschreibt, müssen wir stets die Grundstimmung berücksichtigen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass fp oder sf oft einheitlich exekutiert werden. Tatsächlich muss sich das fp oder sfp der jeweiligen Grundstimmung anpassen und dem jeweiligen Ausdruck unterordnen. Wobei das sfp grundsätzlich immer etwas nachhaltiger oder dringlicher gespielt werden soll. In der Wiener Klassik wird im Übrigen ein fp eher als Forte–Diminuendo gespielt, während man später in der Romantik schneller in das Piano wechselt, das heißt schärfer abgrenzt.

Zwei Beispiele aus der Eroica, die ja die Symphonie der Sforzati ist, seien genannt:



In Takt 23 des 1. Satzes schreibt Beethoven fp und zwei Takte später sf. In Takt 29 wiederholt sich selbiges. In der Praxis wird das fp meistens etwas zu hart und das sf hier fast immer zu laut gespielt. Wir sind es so gewohnt. Da aber die Grunddynamik eben piano ist, muss es meines Erachtens nach dieser Grundstimmung angepasst, und leiser gespielt werden.



Die zweite Stelle bezieht sich auf die Takte 249 bis 275. Jeder einzelne Takt hat ein sf, ausnahmslos. Die Grundstimmung ist ff. Hier ist es, denke ich, angebracht, am Anfang die Sforzati etwas weniger scharf zu spielen, um noch Steigerungsmöglichkeiten zu haben. Es muss also sehr überlegt und behutsam umgegangen werden. Im Übrigen werden bei Beethoven die Sforzati oft für eine stärkere Wirkung der Synkopen oder Hemiolen eingesetzt.



Herr Honeck, ich danke Ihnen vielmals dafür, dass Sie sich Zeit für meine Frage genommen haben!



Verlagsinfo: Ludwig van Beethovens Werke, Serie 1: Symphonien, Nr. 3; Leipzig: Breitkopf und Härtel, 1862. Plate B.r.

Urheberrecht: Public Domain

Titelbild: Manfred Honeck (c) Felid Broede

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